Roll The Bones Records
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INTERVIEW

 

„Wir sind alle Gefangene der Gesellschaft, unserer Psyche und Normen"

 

"Prisoner", ein Album mit Tiefgang

 

 

11.11.2019 Gregor Vogt

 

 

 

Lyra‘s Legacy haben 2018 mit „Prisoner“ nicht nur ein Album abgeliefert, welches von der Fachpresse und ihren Fans zu Recht begeistert abgefeiert wird, sondern wissen mit großartigen Songs im Gepäck auch live zu begeistern. Wer einmal die Gelegenheit dazu hatte sie auf der Bühne zu sehen, weiß wovon ich spreche: Spielfreude pur! Kein Wunder, dass die Musiker gern gesehene Gäste bei Veranstaltern für Konzerte und Festivals sind. Freuen wir uns also auf ein Interview mit Andreas Denz, seines Zeichens Gitarrist der Band.

 

 

Hi Andreas, alles klar bei Dir?

 

Hi Greg, cool das Du uns eingeladen hast. Uns geht es soweit gut. In diesem Jahr hatten wir echt viele tolle Konzerte, zum Beispiel mit Brainstorm oder auf dem Taunus Metal Festival. Wir hatten eine coole Zeit zusammen mit Ivory Tower in Kiel. Ebenfalls ein Highlight war der Gig auf dem Metalship. Da haben wir zusammen mit Mob Rules auf einem Schiff gespielt während wir den Rhein hochgefahren sind....das war der Hammer! Außerdem gab es noch klasse Clubshows mit Korry Shadwell zum Beispiel. Wir sind sehr zufrieden mit 2019.

 

Angenommen, ich würde euch nicht kennen. Wie würdest Du mir eure Musik und eure Band beschreiben?

 

Puuuh, dass ist immer so schwer. Ich sag immer wir machen melodischen Metal ala Savatage, Kamelot, Stratovarius...manche erkennen wohl auch Symphony-x und Dream Theater Einflüsse.

 

Euer Album ist seit dem 19.01.2018 auf dem Markt.  Konnte euch das Album Türen öffnen? Bist Du zufrieden mit der Entwicklung? Erzähl‘ mal, was habt ihr so getrieben?

 

Oh ja, wir sind da schon sehr zufrieden. Durch unser Album haben wir ein Gesicht bekommen. Persönlich war es natürlich super, mal ein gut produziertes, eigenes Album im Regal zu haben – aber es hat uns einfach aus der Liga der Demotapes gehoben. Wir haben tolle Konzerte spielen können. Zum Beispiel mit Brainstorm, Freedom Call, Mob Rules und schöne Festivals wie das Taunus Metal Festival. Irgendwo spielt da ein Album auch eine Rolle. Und natürlich war für uns auch die Resonanz super von den Fans.  Und endlich konnten die Fans uns auch vernünftig zuhause  hören.

 

Stell doch mal die Besetzung der Band vor, ihr hattet aktuell ja einen Wechsel an den Drums.

 

Ja, da wäre der Romuald Tichawski an den Keyboards, Christian Casaccia am Mikrofon, der Tobi am Bass und ich an der Gitarre. Wer unser neuer an den Drums wird, werden wir noch veröffentlichen. Derzeit ist die Suche definitiv beendet ;-)

 

Welche "Zutaten" kommen in den perfekten Lyra’s Legacy -Song? Was macht euch aus? Macht ihr euch darüber Gedanken oder passiert das eher unbewusst?

 

Die Hauptzutaten sind wir als Musiker. Wir sind keine Band in der eine Person alles komplett alleine arrangiert und am besten auch noch alles auf dem Album einspielt. Sowas mag ich persönlich überhaupt nicht. Der Rest der Band sind da nur Statisten und covern quasi das Material. Aber, in der Regel war es bei uns so – dass ich die groben Songstrukturen vorgegeben habe und jeder seinen Teil beisteuert. Christian macht zum Beispiel seine Gesangslinien und Texte. Rom arbeitet seine Keys selbst aus usw.

Und was wir machen – hört man am besten auf unserem Album selbst raus.

 

Welche Bedeutung hat euer Bandname für euch, unabhängig von der Übersetzung?

 

Ohne den Namen zu übersetzen… Natürlich sachlich gesehen gibt es die Erklärung, dass die Leier eine der ersten Gitarren war und wir als Metalband irgendwo das Erbe dieser ersten Saiteninstrumente vertreten. Die Leier ist auch das Symbol der Dichter und Denker...was Musiker nun mal sind. Außerdem, und das ist vielleicht noch wichtiger, ist es halt der Name unserer Gemeinschaft. Der Name von dem, in das wir alles stecken, was wir an Möglichkeiten haben. Ich habe den Namen ja selbst vor etlichen Jahren „erfunden“. Ich habe mir damals gedacht...jetzt machst Du schon so lange Musik, hast so viele Songs und Ideen, aber nicht die Möglichkeit gehabt diese live zu spielen oder zu veröffentlichen. Der Name steht auch für ein Erbe...es ist unser Erbe bzw. unser Vermächtnis. Ein Album kann vielleicht in einem Regal verstauben, aber man kann Musik auch nach Jahrzehnten noch hören.

 

Welche Bands haben euch musikalisch geprägt? Finden sich diese Einflüsse in eurer Musik wieder und wie macht sich das bemerkbar?

 

Das ist unterschiedlich...im Kern kann man sagen Stratovarius, Evergrey, Symphony-x, Dream Theater, Rage und viele weitere sind unsere größten Einflüsse. Aber, jeder von uns hört weitaus mehr. Ich selbst bin großer Pantera Fan und kann auch sehr gut weitaus härteres hören. Auch vor New Metal mach ich keinen Halt. Irgendwo ist das alles ein Einfluss.

 

Wie kann man sich bei euch den Songwriting-Prozess vorstellen? Werden die Songs im Proberaum geschrieben, kommt jeder mit Ideen, die man gemeinsam ausarbeitet, oder werden komplette Songs oder Entwürfe von den Songwritern vorgestellt? Wie macht ihr das?

 

Im Groben war es bisher so, dass ich grobe Grundgerüste erstellt habe und diese durch die anderen zu Songs wurden. Mir ist wichtig, dass jeder etwas beisteuern kann, weil jeder sein jeweiliges Instrument besser beherrscht als ich, neue Einflüsse einbringen kann und der Song wesentlich besser wird, als wenn er nur von einer Person geschrieben würde. Was wir überhaupt nicht machen ist jammen! Das war noch nie so unser Ding :-)

 

Wie wichtig ist euch musikalische Eigenständigkeit? Häufig ist es ja so, dass z.B das Covern von bekannten Songs den Saal zum Kochen bringt. Wird Eigenständigkeit ausreichend wertgeschätzt? Oder möchte man da vielleicht dann eher wie, sagen wir mal, Iron Maiden oder Judas Priest klingen um besser anzukommen?

 

Also, erstmal...ich zolle guten Coverbands enormen Respekt. GUT covern und dann noch schwere Songs kann nicht jeder. Dazu sind das meistens große Bands und haben viel Logistik, Planung usw. zu managen. Dazu spielen die sich echt die Finger wund...

Was ich natürlich schade finde sind Konzerte von Undergroundbands die schlecht besucht sind. Ich kann nicht für andere Bands reden. Wenn man bedenkt wie viele Bands es heute gibt, Veranstaltungen, YouTube usw. hatten wir bisher eigentlich immer schöne Konzerte mit Publikum. Das Angebot ist einfach so riesig geworden. Ich finde jede Band ist eigenständig, weil jede Band individuell ist. Man kann vielleicht sagen, es erinnert mich an diese oder jene Band, aber keine Band klingt genau wie die andere. Wir haben das Rad ja auch nicht neu erfunden. Aber, uns gibt es nur einmal. So ist das halt.

 

Wovon handeln eure Texte? Gibt es einen roten Faden oder wiederkehrende Themen, die euch beschäftigen? 

 

Nein, es gab bisher kein Konzept. Prisoner handelt über jemanden der in sich selbst gefangen ist. Reign of greed ist eher gesellschaftskritisch. Since you left me und Breath of a Winter Night eher die romantische Ecke. Sehr unterschiedlich also.

 

Eine Band am Laufen zu halten ist ja mitunter sehr zeitaufwändig (Proben, Songs schreiben, planen / organisieren, Gigs, etc.) ...Welchen Stellenwert hat die Band in eurem Alltag? Wie bekommt ihr zeitlich das hin? Wie oft probt ihr zum Beispiel?

 

Oh ja, ich erinnere mich noch an meine Anfänge...da hat man nur geprobt und hier und da mal einen Gig gespielt. Heute muss man alles machen. Social Media, Finanzen, Werbung, Booking usw. Leider führt das dazu, dass man sehr wenig Zeit für den Kern hat. Und man muss versuchen das mit dem Privatleben zu managen. Früher hatte man keine Möglichkeiten aber Zeit – heute hat man Möglichkeiten und Geld – aber es fehlt die Zeit. Wir alle werden älter und das Privatleben nimmt zu :-)

 

In welchem Studio habt ihr das Album aufgenommen? Liegt euch die Studioarbeit, oder ist das eher ein leidiges Thema?

 

Wir haben alle Instrumente selbst aufgenommen und zum Mischen und Mastern an Markus Teske im Bazement Studio gegeben. Er hat internationale Größen gemischt und wir sind sehr zufrieden mit seiner Arbeit.

 

In welchem Kontext steht das Albumcover mit den Songs, bzw. den Texten? Wer ist der Künstler und wie seid ihr auf ihn gekommen?

 

Wir haben einen Künstler aus Polen mit dem Artwork beauftragt. Das hatte sich via Internet so ergeben. Das Cover symbolisiert das Thema des „gefangen sein“. Wir alle sind in einer Weise Gefangene...der Gesellschaft, unserer Psyche und Normen. Manchmal sollte man sich davon befreien und das vielleicht mit unserem Album :-)

 

Welche Social Media Kanäle nutzt ihr wofür und wie denkst Du generell darüber?  Hat man als Band heutzutage auch ohne Social Media noch eine Chance? Wie präsent sollte man dort sein? Was meinst Du? Ihr habt auf FB unheimlich viele Follower, macht sich das, z.B bei euren Gigs bemerkbar?

 

Social Media ist heute alles. Ohne das geht überhaupt nichts. Konzerte, Kontakte, Werbung und das alles relativ umsonst, ist ideal für Bands. Hat aber auch den Nachteil das es absolut überrannt ist und gute Sachen untergehen. Nicht jeder der liked ist ein Fan, aber er könnte es werden. Meiner Meinung nach ist Viralität heute alles. Ist nichts anderes als Werbung...die war schon immer wichtig.

 

Metal Fans ticken ja doch anders als der Rest der Welt. Vinyl und CDs stehen (noch?) hoch im Kurs und werden gekauft.  Die meisten Fans wollen ein „Produkt“ im Schrank stehen haben oder sogar auch sammeln. Was denkst Du wie sich der Musikmarkt entwickeln wird? Ist die Zukunft digital, bzw. ohne physische Tonträger? Könnte man sich dann am Merchstand euer Album runterladen?

 

Das sind interessante Fragen, die die Musikindustrie bestimmt auch gerne beantwortet hätte… Ja, Metalfans sind sehr loyal, deshalb fanden wir es auch wichtig, einen physikalischen Tonträger anzubieten. Ich denke auch, da wird sich eine Art „Kerngeschäft“ entwickeln, von Leuten, die weiterhin CDs und Schallplatten kaufen. Die Stückzahlen aus den 80ern oder 90ern werden aber bestimmt nicht mehr erreicht werden. Und gerade um neue Fans zu gewinnen ist Streaming ein tolles Instrument, da so auch Leute die Möglichkeit haben unser Zeug anzuhören, die sonst eher einen Bogen um Metal gemacht haben. Da waren schon einige bei, die überrascht waren, wie viel Melodie auch im Metal steckt...

 

Ihr habt ja bereits sehr professionelle Videos produziert. Ist da Weiteres in Planung? Wie kann man sich von der Masse abheben? Geht das überhaupt?

 

Finde ich wichtig, planen wir auch wieder. Musikvideos waren schon immer ein weiteres Instrument der Kreativität. Ich mag Musikvideos sehr gern. Natürlich ist das ebenfalls gute Werbung.

 

Ich besuche euren nächsten Gig. Was kann ich an eurem Merch- Stand kaufen?

 

Natürlich das Album, T-Shirts, Tassen, Mützen… und noch so einiges mehr. Klar möchten wir am liebsten alles anbieten und noch ein paar spezielle Ideen umsetzen, aber da wir alles vorfinanzieren müssen, geht nicht immer alles, so wie wir uns das vorstellen. Wir versuchen aber, Ideen der Fans aufzunehmen und umzusetzen. Manchmal verkaufen wir auch spezielle Andenken wie ein gebrauchtes, signiertes Snaredrumfell...

 

Gibt es eigentlich auch eine "Szene" auch unter den Bands, oder gibt’s die Szene nur unter den Fans?  Sehen sich Bands als Kumpels, die sich gegenseitig unterstützen oder eher als Konkurrenz?

 

Das ist so unterschiedlich wie die Menschen...ich unterstütze Bands die ich mag auch im Social Media. Leider hab ich den Eindruck das dies kaum die Regel ist. Es gibt ganz tolle Kollegen die auch Backstage total nett sind. Eigentlich haben wir da bisher fast immer Glück gehabt. Arschlöcher gibt es überall...auch im Metal… da aber zum Glück nur wenige :-)

 

Was denkst Du, wie sich Metal im Allgemeinen weiterentwickeln wird? Die großen Bands werden wohl früher oder später abtreten. Wie geht’s dann weiter? Hol doch mal die Glaskugel raus und wage eine Prognose.

 

Man sieht es ja heute schon am Erfolg der diversen Tribute Bands, ich denke, das wird noch mehr werde in Zukunft. Vielleicht werden in 100 Jahren die Leute zu Iron Maiden Coverbands gehen, wie heute zu Beethovenkonzerten? Vielleicht überschätze ich aber auch den Stellenwert, den diese Musik später haben wird, obwohl… nee, Metal wird bleiben. Es wird auch immer neue Bands geben, die den großen Durchbruch schaffen, wie zum Beispiel Avenged Sevenfold. Denen hört man zum Beispiel die Maiden Einflüsse deutlich an. So wie der Metal an sich aus dem Hard Rock und dem Punk entstanden ist, wird es auch in Zukunft Bands geben, die die Einflüsse von heute weiterentwickeln.

 

Wir kommt ihr an neue Gigs? Arbeitet ihr mit einer Booking- Agentur zusammen oder bewerbt ihr euch selbst?

 

Beides :-) oder wir werden angefragt. Oft kommt man auch über befreundetet Bands an Konzerte.

 

Wie geht es mit der Band weiter? Verfolgt ihr konkrete Ziele?

 

Definitiv neue Songs! Wir haben bereits vier neue Songs fertig und mussten leider pausieren im Songwriting wegen der Drummersuche. Aber, nächstes Jahr kommt neues. Konzerte, Gedanken an ein zweites Album, Videos...es geht weiter.

 

Wenn Du am Musikbusiness etwas ändern könntest, was wäre das?

 

Dass gute Bands nach vorne kommen. Das wollte ich schon immer. Natürlich ist das alles Definition...was ist gut...was ist schlecht? Ich denke aber auch, dass die Musiker sich lieber auf eine gute Band konzentrieren sollten, als auf 10 schlechte. Das ist aber meine persönliche Meinung. Das überschwemmt den Markt auch mit Projektbands in denen kein Herzblut steckt.

 

Würdet ihr gerne von der Musik leben können, oder siehst Du das eher als einen Traum, der besser NICHT in Erfüllung gehen sollte?

 

Früher hätte ich gesagt ja! Heute – ganz klar nein. Das ist wie eine Selbstständigkeit...es kann jederzeit der Einsturz kommen, man weiß nie ob der Erfolg hält. Und die weniger erfolgreichen müssen sich mit zig Nebenjobs über Wasser halten. Ein festes Standbein zu haben ist immer besser. Aber, alles was wir haben stecken wir in Lyra's Legacy. So gut es geht und so weit es vertretbar ist. Nicht um damit Geld zu verdienen, sondern um unseren Traum zu leben, kreativ zu sein und sich zu verwirklichen. Natürlich...träumen darf man, aber mit den Füßen am Boden.

 

Andreas, ich danke für das Interview!

 

Vielen Dank Greg, hat mich gefreut! Lob an Dich und Roll The Bones. Wir fühlen uns richtig wohl bei Dir und freuen uns auf eine gemeinsame Zukunft! Und an unsere Fans...ohne Euch würde das alles überhaupt keinen Sinn machen. Danke für Euren Support und Treue!

 

 

 

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